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Unsere Tracht




Als im Jahre 1986 die Bozner Schützenkompanie einen Großteil ihrer schadhaft gewordenen Trachten durch Neuanschaffungen ersetzen wollte, wurde festgestellt, dass die bisherige Tracht weniger durch Bozner Eigenheiten, als durch solche vom Ritten bestimmt worden war. Es schien daher angebracht, auf den schon im 18. Jh. verwendeten langen, dunkelbraunen, mantelartigen Rock zurückzugreifen, der in seiner besonders charakteristischen Form nur im Bozner Talkessel verbreitet war.



Zur schlichten Eleganz dieser Tracht trugen nicht wenig ein breitkrempiger Hut - der später in Bürgerkreisen durch einen Zylinder ersetzt wurde - und ein grellrotes Leibl mit senkrechter, goldener Leiste und goldfarbenen Knöpfen bei. Die Schwierigkeiten beim Herstellen dieses langen, offen zu tragenden Männerrocks aus feinem Strichloden bestanden darin, dass dieser beim Gehen nicht aufspringen darf.
Hingewiesen sei ferner auf die Tatsache, dass der ursprünglich bis zu halben Wade reichende lange Rock bei der Trachteneinführung von 1986 deutlich verkürzt wurde. Die Wiedereinführung abgekommener Trachten erfordert nämlich ein besonderes Fingerspitzengefühl, als sie einerseits kein bloßer "Griff in die Mottenkiste" und andererseits kein Phantasieprodukt sein darf.

Es muss sowohl die bequeme Tragbarkeit gewährleistet sein, als auch deren funktionsgerechte Ausführung in Betracht gezogen werden. Hier liegt der seltene Fall vor, dass wir von der historischen Tracht einer Schützenkompanie eine genaue Beschreibung und präzise Abbildungen besitzen.

 

Im Bozner Stadtmuseum befindet sich ein Gemälde, welches anlässlich der im Jahre 1759 erfolgten feierlichen Übertragung von Reliquien des Seligen Heinrichs aus Bozen von Treviso nach seiner Heimatstadt entstanden ist. Der Bozner Bürger und Handelsmann Matthias Helf schreibt dazu, dass "die Bauernschützen alle gleich braun angezogen" waren und in einer Stärke von 70 Mann vertreten und mit einer "herrlichen Feldmusik" ausgerüstet gewesen seien.
Zu erwähnen sind ferner drei große Ölbilder im Bozner Stadtmuseum, die alle drei die aus festlichem Anlass angetretenen "Bauernschützen" zeigen. Das älteste dieser Bilder stellt eine Huldigung an den künftigen Kaiser Joseph II. dar (22. Juni 1765), während die beiden anderen hingegen sich auf den Bozner Aufenthalt der Kaisersgattin Marialuise und ihrer Töchter am 6. Mai 1790 beziehen.
Alles in allem ist die Tracht der Bozner Schützenkompanie, die der Verfasser mit Konzessionen an die Tragbarkeit empfohlen und begleitet hat, eine erfreuliche Mischung von Tradition und sinnvoller Erneuerung. Für das entgegen gebrachte Vertrauen und die Bereitschaft, auf einwandfreie Überlieferungen zurückzugreifen, sei dem damaligen Schützenhauptmann Sepp Gruber, dem leider bereits verstorbenen Bezirksmajor Peter Riegler sowie dem ebenso nicht mehr unter den Lebenden weilenden Ehrenmajor Fritz Pohl gedankt.

            
DDr. Helmut Rizzolli





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